Japa-Meditation - einige Fragen und Antworten

Interview mit Sangeet Singh Gill

Yoga Infos: Was ist das besondere an einer Japa-Meditation?

Sangeet Singh Gill: Es ist eine der intensivsten Meditationsarten die ich kenne. Ein Mantra wird immer wieder wiederholt, manchmal 11.000 Mal oder auch 110.000 Mal. Dadurch werden die Widerstandsbarrieren unseres rationalen Selbst überwunden.

YI: Ist das nicht auch Gefährlich?

SSG: Das ist nur etwas für erfahrene Meditierer. Wer mental labil ist, sollte sanftere Methoden wählen.

YI: Was kann denn schlimmstenfalls passieren?

SSG: Wer schwerwiegende psychische Probleme hat und sich lieber mental stabilisieren muss, hat in einer Jappa-Meditation über mehrere Tage nichts zu suchen. Ich denke, die meisten können selber einschätzen, ob sie sich diese Praxis zutrauen oder nicht.

YI: Für viele Menschen ist die Vorstellung absurd, sich eine Woche oder auch nur zwei Tage hinzusetzen und 20 Stunden lang immer wieder die gleichen Worte zu wiederholen. Warum tun sich vernünftige Menschen so etwas an?

SSG: Das ist eine Frage des Standpunktes. Marathonläufer leiden auch, wenn sie 42 Kilometer am Stück laufen. Aber währenddessen und hinterher fühlen sie sich gut dabei, trotz aller Schmerzen. Herausforderungen sind manchmal nötig um Wachstum zu erzeugen. Das Japa-Retreat ist ein Marathon für den Geist.

YI: Was passiert denn genau dabei? Wie kann man sich das vorstellen?

SSG: Der Geist geht durch verschiedene Phasen, irgendwann wird die mentale Kontrolle durchbrochen. Im Yogischen Modell besteht der Geist aus drei Teilen, dem höheren Bewusstsein, dem Ego und dem Reptiliengehirn. Letzteres sorgt dafür, dass wir nicht aufhören zu singen und uns aufrecht halten. Das Ego kann durch die mentale Anstrengung und den Schlafentzug irgendwann die Kontrolle nicht mehr halten. Wenn das passiert, kann der Meditierende sich und die Welt ohne die Verzerrungen des Ego erkennen. Ein erhabener, manchmal aber auch sehr unangenehmer Anblick.

YI: Also ein Trip. Was ist der Mehrwert?

SSG: Die mentale Struktur liegt dann offen. Jetzt ist es möglich, bleibende Verbesserungen vorzunehmen, die mit dem normalen Alltagsbewusstsein nicht möglich sind.

YI: Was ist die Rolle des Anleiters?

SSG: Der Anleiter gewährleistet, dass die Gruppe nicht auseinanderfällt. Er ist das Zentrum des Prozesses. Diese Rolle kann er nur übernehmen, wenn die Teilnnehmer ihm vertrauen. Wer dem Anleiter nicht vertraut, sollte nicht an der Jappa-Meditation teilnehmen.

YI: Wem empfiehlst du die Teilnahme an einem Japa-Retreat?

SSG: Neben dem Weissen Tantra Yoga ist die Jappa-Meditation geeignet, dauerhafte und tiefe Transformationserfahrungen zu ermöglichen. Viele sehnen sich nach unumkehrbaren Veränderungen. Wer einige Zeit lang Kundalini Yoga praktiziert, kann sich mit einer Jappa-Meditation auf eine neue Stufe heben.
Wer sich unsicher ist oder wer Drogen oder psychoaktive Medikamente einnimmt, sollte um diese Praxis allerdings einen großen Bogen machen. Auch kann ich niemanden empfehlen, eine Jappa-Meditation isoliert zu praktizieren. Begleitende Übungen, mindestens 40 Tage vorher und nachher sind nötig, um die Erfahrungen verarbeiten zu können.

YI: Es gibt Personen, die seit Jahren jedes Japa-Retreat mitnehmen, dass sich ihnen bietet. Kann man eigentlich auch zu viel meditieren?

SSG: Eine meditative Praxis sollte immer auch in einen Alltag eingebettet sein – das ist zumindest der Ansatz des Kundalini Yoga. Es ist ein Yoga für Haushälter, für Menschen, die im Leben stehen und in Familie, Beruf und Gesellschaft integriert sind.
Die Meditation ist die eine Seite, die andere ist die Integration der Erfahrung in den Alltag. Für viele ist nicht das Retreat die eigentliche Herausforderung, sondern die Zeit danach, wenn es darum geht, die Bewusstseinsveränderung zu integrieren.
Wer zu wenig Herausforderungen im Alltag hat, und zu viel meditiert, kann den Anschluss an die Realität seiner Mitmenschen verlieren.

YI: Welche konkreten Auswirkungen hat das?

SSG: Das eigene Umfeld nimmt den Meditierenden als abgehoben und weltfremd war. Lebenspartner gehen oftmals in eine Gegenposition, als wollten sie einen Ausgleich schaffen, und lehnen alles ab, was mit Yoga oder Meditation zu tun hat.

YI: Wer zu viel meditiert wird also einsamer, aber vielleicht ist das nicht so wichtig, wenn es einen glücklich macht.

SSG: Jeder hat das Recht auf individuelles Glück. Aber warum sollte mein Glück mehr wert sein als das Glück von jemandem anderen? Wem nutzt der eigene spirituelle Höhenflug, wenn er nicht in ein Gruppenbewusstsein eingebettet ist, an dem jeder teilhaben kann?
Wer nicht teilt, obwohl er könnte, hat eine Blockade im 1. Chakra. Wer teilt, weil er muss, ist bedeutungslos. Wer selbstlos teilt, ohne sich selber dabei aufzugeben, der genießt höchsten Respekt.

YI: Was empfiehlst du also dem müden Yogi wenn er nach dem Japa-Retreat aus dem Yogazentrum schlurft?

SSG: Hier halte ich es mit Brecht: „Vorwärts, und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht…“

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