Innen und Außen sind eins

In seinem natürlichen Zustand fühlt sich das Selbst für alles verantwortlich.

Innen und Außen sind nicht voneinander getrennt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet gibt es keine unausweichlichen Auswirkungen duch das Umfeld. Selbst das eigene Schicksal erzeugt keine unausweichlichen Auswirkungen. Positive oder negative Bewertungen sind eine Frage des Standpunktes.

Im Einheitsbewusstsein gibt es keine Unbewusstheit. Philosophisch gesehen ist es das Gegenteil des Materialismus, dass wir lediglich das Produkt von unseren äußeren Umständen sind. Da unsere Psyche diesen Zustand normalerweise nicht aushalten kann, kreieren wir uns zunächst eine Weltanschauung, in der wir einen bestimmten Platz einnehmen, der uns innerlich stabilisiert.

Doch tatsächlich spricht viel dafür, dass es keine Trennung zwischen Körper und Geist oder Körper und Seele gibt - ein Paradigma, dass im authentischen Yoga gelebt wird.

Die meisten Religionen und Weltanschauungen gehen von einem Dualismus als Grundlage aus: Der Geist ist hier etwas Mystisch-Ewiges, das vom Körper getrennt betrachtet wird. Yoga beruht hingegen auf der Philosophie des Advaita – es gibt keine Trennung, Alles ist eins.

Um zu einem natürlichen Zustand zurückzukehren (mit dem wir geboren wurden), durchläuft unser Gehirn unterschiedliche Entwicklungsstufen – vergleichbar mit den Entwicklungsphasen eines Kindes. Zunächst wird eine Basis benötigt, die Schutz und Sicherheit gewährleistet. Ohne diese Basis können wir uns nicht in die Freiheit aufschwingen. Auf der Suche nach dieser Basis begegnen uns Ideologien. Diese üben durch ihre Schlichtheit einen großen Reiz auf uns aus. Warum sollten wir uns anstrengen, wenn es auch einfach geht?

Alle Ideologien enspringen aus dem gleichen Muster der Rigidität. Es gibt absolute Antworten, strikte Verhaltensregeln und eine durch Praxis und Symbole heraufbeschworene Eigengruppen-Mentalität. Die Ideologie kreiert ein Richtig und Falsch und formt Gebote, wie wir denken, handeln und mit anderen umgehen sollen. Das alles ist tröstlich, weil es nicht so viel Asntregung benötigt wie eigenes Denken. Im Gegensatz zur Kultur – die Abweichungen und Neuinterpretationen gutheißen kann – wird bei einer Ideologie eine Unterordnung verlangt, Abweichungen werden nicht geduldet.

Im weiteren Verlauf der Entwicklung führt das rigide Denken zu mentalen Beeinträchtigungen. Die Fähigkeit zur Authentizität wird verlernt. Als eine Folge wird manchmal die multi-ethnische Gesellschaft abgelehnt. Die Merkmale der modernen Globalisierung lösen Beklemmungen aus und schränken unsere Möglichkeit ein, effektiv und sinnstiftend zu handeln. Die vier Merkmale der globalisierten Welt, engl. VUCA sind:

  • flüchtig (volantile),
  • unsicher (uncertrain),
  • komplex (complex), und
  • mehrdeutig (ambiguous).

Yoga ist interkulturell und multi-ethnisch und führt zu einem Prozess der Selbstermächtigung. Es entspricht dem Zeitgeist und dem (Mega-)Trend der Individualisierung.

 Yoga und Meditation kann zu einem Gefühl der Verbundenheit mit sich selbst führen. Dies kann je nach Ausgangslage:

  • zu einer weiteren gesellschaftlichen Entfremdung führen oder
  • zu einem Ausgangspunkt für Gemeinsinn vertiefendes Engagement werden

Damit letzteres überwiegt, müssen die richtigen Ankerpunkte gesetzt werden.

 

Stress als Wurzel für rigides Denken

In dem Buch „Das ideologische Gehirn“ (von 2025) der renommierten Neurobiologin Leor Zmigrod sind mehrere dynamische Faktoren beschrieben, die zu einem rigiden (= extremistischen) Denken führen können. 
Wenn mehrere dieser Faktoren auftreten, könnte Yoga zu einer Verstärkung des ideologischen Denkens führen. Wenn hingegen die gegenteiligen Faktoren auftreten, dürfte Yoga für das freie, undogmatische Denken förderlich sein.

Flexibilität und Offenheit

  • Einer der wichtigsten Faktoren für das ideologische Gehirn ist das Gefühl, kein „Nest“ zu haben bzw. nicht dazu zu gehören. Es ist empirisch belegt, dass soziale Ausgrenzung zu rigidem Denken führt.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor ist Verlustangst. Die Angst vor existenziellem Verlust oder sozialem Abstieg kann diskriminierendes Verhalten begünstigen.
  • Damit verbunden ist dauerhafter Stress. Auch andere stetige Erfahrung von Armut, Ausgrenzung, Missbrauch oder Gewaltandrohung versetzen das Nervensystem in eine permanente Anspannung.
  • Wenn die Berufstätigkeit oder der Lebensstil zu chronischem Stress führt, wird das Gehirn rigider und anfälliger für Ideologien.
  • Es besteht ein empirischer Nachweis, dass Stress zu extremistischem Denken führen kann. Im Gegenzug kann daraus hergeleitet werden, dass Stress reduzierende Methoden wie Yoga für das freie und undogmatische Denken förderlich sein können.

Wenn Yoga mit einem menschenfreundlichen Weltbild verknüpft ist, können die richtigen Ankerpunkte gesetzt werden, um das Denken zu öffnen. Regide Ideologien können durch die entsprechenden Werte (Flexibilität, Offenheit etc.) erschwert oder ausgeschlossen werden. 

Copyright © shuniya.com. Alle Rechte vorbehalten.

KI-freie Website

We use cookies

We use cookies on our website. Some of them are essential for the operation of the site, while others help us to improve this site and the user experience (tracking cookies). You can decide for yourself whether you want to allow cookies or not. Please note that if you reject them, you may not be able to use all the functionalities of the site.