
In seinem natürlichen Zustand fühlt sich das Selbst für alles verantwortlich.
Innen und Außen sind nicht voneinander getrennt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet gibt es keine unausweichlichen Auswirkungen duch das Umfeld. Selbst das eigene Schicksal erzeugt keine unausweichlichen Auswirkungen. Positive oder negative Bewertungen sind eine Frage des Standpunktes.
Im Einheitsbewusstsein gibt es keine Unbewusstheit. Philosophisch gesehen ist es das Gegenteil des Materialismus, dass wir lediglich das Produkt von unseren äußeren Umständen sind. Da unsere Psyche diesen Zustand normalerweise nicht aushalten kann, kreieren wir uns zunächst eine Weltanschauung, in der wir einen bestimmten Platz einnehmen, der uns innerlich stabilisiert.
Doch tatsächlich spricht viel dafür, dass es keine Trennung zwischen Körper und Geist oder Körper und Seele gibt - ein Paradigma, dass im authentischen Yoga gelebt wird.
Die meisten Religionen und Weltanschauungen gehen von einem Dualismus als Grundlage aus: Der Geist ist hier etwas Mystisch-Ewiges, das vom Körper getrennt betrachtet wird. Yoga beruht hingegen auf der Philosophie des Advaita – es gibt keine Trennung, Alles ist eins.
Substanz ist die Grundlage für Souveränität
Kundalini Yoga hat seinen Fokus auf dem Übergang zwischen der materiellen und der geistigen Welt. Wie alle Polaritäten haben auch diese beiden den Schwachpunkt, dass der jeweils andere Pol oft ignoriert wird.
Manche hängen in ihrer materiellen, rationalen Weltsicht fest, und ignorieren die geistige Welt entweder komplett oder machen sich über sie lustig. Die anderen flüchten sich in die geistige Welt und glauben, dadurch schlechten Einflüssen entfliehen zu können. Wer zwischen den Polaritäten tanzt, kommt mit einer „Klebe-Substanz“ in Berührung, die in der Lage ist, die Existenz mit der Nicht-Existenz zu verbinden. In dieser Zone des Zwielichts können Konventionen und Konstruktionen verändert werden.
Hier setzt das Kundalini Yoga an: Substanz wird mit Hilfe von Übungen und Meditation erzeugt und gefestigt.
Mit Hilfe von Substanz kann der Tendenz der eigenen Handlung sowie der Projektion des Geistes eine Richtung gegeben werden. Dadurch werden wir schöpferisch und erlangen Souveränität.